Kaum eine Branche entwickelt sich so dynamisch wie die Diagnostik. Der technologische Fortschritt sorgt für immer präzisere Analyseverfahren, während globale Gesundheitsbedarfe und neue Therapieformen die Anforderungen an Testsysteme neu definieren. Gleichzeitig wächst die Komplexität der Produkte: mehr Testformate, mehr Varianten, mehr Packmittel und deutlich strengere regulatorische Rahmenbedingungen. Für Hersteller bedeutet dies eine zunehmende Notwendigkeit, Prozesse zu automatisieren, Packmittel umzudenken und Produktionslinien flexibler zu gestalten.
Im Interview erklärt Katrin Müller, Business Development Manager Diagnostics, welche Entwicklungen die Branche prägen und wie sich Produktionskonzepte darauf einstellen müssen.
Katrin Müller: Der Diagnostikmarkt wächst seit Jahren kontinuierlich, aktuell mit rund 4-5 % jährlich. Dieses Wachstum wird vor allem durch chronische Erkrankungen wie Krebs oder Diabetes sowie ein gesteigertes Bewusstsein für Prävention getrieben. Zudem rückt die personalisierte Medizin in den Fokus: Companion Diagnostics werden künftig in vielen Therapien eine tragende Rolle spielen. Darüber hinaus gewinnt das Point-of-Care-Testing (POCT) an Bedeutung. Etwa durch schnelle Hämoglobinmessungen oder Herzmarker-Schnelltests direkt am Patientenort. Insgesamt erstreckt sich der IVD-Markt über klinische Chemie, Immun- und Molekulardiagnostik, Hämatologie, Mikrobiologie und Gewebediagnostik.
Katrin Müller: Zwei Entwicklungen dominieren: Die Gebinde werden spezifischer und die Prozesse werden zunehmend automatisiert. In Bezug auf Packmittel vollzieht sich ein Wechsel von offenen Systemen hin zu geschlossenen, cartridge-basierten Formaten. Kunden denken vermehrt über Serialisierung und Security Codes nach, um sicherzustellen, dass ausschließlich autorisierte Produkte in ihren Analysesystemen verwendet werden können. Zusätzlich steigt vor allem in der Molekulardiagnostik die Produktvielfalt bei vielen Kunden, was häufig kleinere Batches und kürzere Umrüstzeiten in der Produktion erfordert.
Katrin Müller: Ja. Die Anforderungen gleichen sich mehr und mehr dem Pharmaumfeld an. Die europäische IVDR (In Vitro Diagnostik Richtlinie) und FDA-Richtlinien (Food and Drug Administration) in den USA erhöhen die regulatorischen Anforderungen erheblich. Besonders in der Molekulardiagnostik spielt Reinheit eine entscheidende Rolle, denn schon kleinste DNA- oder RNA-Verunreinigungen können zu fehlerhaften Testergebnissen führen. Die Prozesse müssen entsprechend hochsicher ausgelegt sein.
Katrin Müller: Die Diagnostik wird spezialisierter, vielfältiger und regulierter. Entsprechend benötigen Hersteller ein breites technologisches Portfolio: vom Füllen und Verschließen über Etikettieren oder Kodieren bis hin zu End-of-Line-Prozessen sowie Gefriertrocknung und Containment.
Optima arbeitet aktuell daran, Technologien aus anderen Geschäftsbereichen in die Diagnostik zu integrieren. Dadurch entstehen modulare, hochflexible Systeme, die neue Testformate unterstützen und gleichzeitig hohe Prozesssicherheit gewährleisten.
Katrin Müller: Nachhaltigkeit gewinnt spürbar an Bedeutung. Papierbasierte Alternativen zu herkömmlichen Kunststofffolien werden bereits diskutiert und getestet. Gleichzeitig prüfen Kunden, papierbasierte Etiketten durch digitale Lösungen wie QR-Codes zu ersetzen. Auch im Verpackungsbereich wird an optimierten Konzepten gearbeitet: Ziel ist es, weniger Verpackungsmaterial einzusetzen und verstärkt auf nachhaltige Materialen zu setzen.